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von Adam H. Dickey

Der Mensch lebt durch göttliche Verordnung. Er ist in Übereinstimmung mit dem Gesetz Gottes erschaffen und wird in Übereinstimmung damit regiert, erhalten und gelenkt. Unter Gesetz versteht man eine Regel, die durch Macht aufgestellt und aufrechterhalten wird, etwas, was Fortdauer und Beständigkeit besitzt, was unveränderlich, feststehend und ununterbrochen wirksam ist – dasselbe „gestern und heute und … in Ewigkeit“ (Hebr. 13:8). Die Wirksamkeit eines Gesetzes beruht ganz auf der Macht, die es durchsetzt. Ein (sogenanntes) Gesetz, das nicht durchgesetzt werden kann, ist kein Gesetz und hat nichts mit dem Gesetz gemein. Gott ist der einzige Schöpfer, der einzige Gesetzgeber. „Alle Dinge sind durch dasselbe [das Wort Gottes] gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist“ (Joh. 1:3). Alle Macht, Tätigkeit, Intelligenz, alles Leben und alle Regierung im Weltall gehören Gott an und haben Ihm immer angehört. Er ist der allerhabene Herrscher und teilt seine Macht mit keinem anderen.

Paulus sagte (Röm. 8:2): „Das Gesetz des Geistes, der da lebendig macht in Christus Jesus, hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.“ Daher wissen auch wir, dass uns „das Gesetz des Geistes, der da lebendig macht“, „von dem Gesetz der Sünde und des Todes“ frei macht. Warum? Weil alle Macht, die es gibt, auf seiten des Gesetzes des Lebens ist; und das, was diesem Gesetz des Lebens widersteht, ist überhaupt kein Gesetz; es ist nur Annahme. Mit anderen Worten, jedes Gesetz Gottes hat unendliche Macht hinter sich, die es durchsetzt, während das sogenannte Gesetz der Sünde und des Todes keine Grundlage hat, nichts hinter sich hat, worauf es sich stützen kann.

Wenn wir verständnisvoll erklären, dass das Gesetz Gottes gegenwärtig ist und wirkt, haben wir das ganze Gesetz und die Macht Gottes angerufen oder in Tätigkeit treten lassen. Wir haben die Wahrheit, Gottes Wahrheit, erklärt – und diese Wahrheit Gottes ist das Gesetz der Vernichtung, Austilgung und Beseitigung alles dessen, was Ihm unähnlich ist. Wenn wir diese Wahrheit erklärt und im Sinne der Christlichen Wissenschaft auf irgendeine unharmonische Annahme angewandt haben, der wir uns gegenübergestellt sehen, dann haben wir alles getan, was wir tun können, und alles, was wir zur Zerstörung einer jeden Kundwerdung des Irrtums, die je zu existieren beanspruchte, zu tun brauchen. Der Irrtum, der keinen Platz im göttlichen Gemüt hat, beansprucht im menschlichen Denken zu existieren. Wenn wir ihn aus dem menschlichen Denken entfernt haben, haben wir ihn von dem einzigen Platz vertrieben, wo er je vorgab, Fuß fassen zu können, und danach wird er für uns zu nichts.

Es gibt ein Gesetz Gottes, das auf jede erdenkliche Phase der menschlichen Erfahrung anwendbar ist, und es kann sich dem sterblichen Denken keine Lage und kein Zustand darbieten, die außerhalb des direkten Einflusses dieses unendlichen Gesetzes existieren könnten. Gesetz in Tätigkeit wirkt sich stets dahingehend aus, dass es korrigiert und regiert, harmonisiert und berichtigt. Was auch immer in Unordnung oder unharmonisch ist, kann selbst kein grundlegendes Prinzip haben, sondern muß durch das, was als Gottes Berichtigungs­gesetz bezeichnet werden kann, unter die unmittelbare Regierung Gottes kommen. Wir sind nicht für die Durchführung dieses Gesetzes verantwortlich. Ja, wir können in keiner Weise etwas tun, um die Tätigkeit oder Wirksamkeit des göttlichen Gemüts zu vergrößern, anzuregen oder zu verstärken, da es stets gegenwärtig, immer wirksam ist und, wenn recht angerufen, nie aufhört, sich zu behaupten und zu bekunden. Alles, was wir zu tun haben, ist, dieses Berichtigungsgesetz mit unserem ungelösten Problem wissenschaftlich in Berührung zu bringen, und wenn dies geschehen ist, haben wir unsere volle Pflicht getan. Hier mag jemand sagen: „Wie kann das Gesetz Gottes, das mental wirkt, auf mein Problem, das physisch ist, einwirken?“ Dies ist leicht zu verstehen, wenn man erkennt, dass das Problem nicht physisch, sondern mental ist. Vor allem müssen wir wissen, dass alles Gemüt ist und dass es so etwas wie Materie nicht gibt, und so den anstößigen materiellen Sinn aus unserem Denken ausschließen.

Der ursprüngliche Sinn des englischen Wortes für Krankheit (disease) ist Mangel an Behagen – körperliches oder seelisches Unbehagen, Beschwerde, Besorgnis, Unruhe, Störung, Verletzung. „Krankheit“, sagt Mary Baker Eddy, die Entdeckerin und Gründerin der Christlichen Wissenschaft, „ist ein verkörpertes Gedankenbild. Der mentale Zustand wird ein materieller Zustand genannt. Alles, was im sterblichen Gemüt als physischer Zustand gehegt wird, bildet sich am Körper ab“ (Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, S. 411). Dies gilt auch für Hitze, Kälte, Hunger, Armut, für alle Formen von Disharmonie; sie sind stets mental, obwohl das sterbliche Gemüt sie als materielle Zustände ansieht. Es ist daher leicht zu verstehen, wie das Gesetz Gottes, das mental ist, auf ein physisches Problem angewandt werden kann.

In Wirklichkeit ist das Problem nicht physisch, sondern rein mental, und es ist das direkte Ergebnis irgendeines Gedankens, der im sterblichen Gemüt gehegt wird. Wäre jemand auf hoher See am Ertrinken und anscheinend ohne menschliche Hilfe, so gibt es ein Gesetz Gottes, das, wenn recht angerufen, seine Rettung bewirken würde. Bezweifelt der Leser das? Dann glaubt er offenbar, dass der Mensch in eine Lage kommen könne, wo Gott ihm nicht helfen kann. Wäre jemand in einem brennenden Gebäude, oder in ein Eisenbahnunglück verwickelt, oder wäre er in einer Löwengrube, so gibt es ein Gesetz Gottes, das die scheinbaren materiellen Umstände sofort berichtigen und so seine vollständige Befreiung bewirken könnte.

Wir brauchen nicht in jedem Einzelfalle zu wissen, was denn eigentlich dieses Gesetz Gottes ist, oder wie es wirken wird; und ein Versuch nach dem Warum und Wozu zu forschen, könnte nur seine Wirksamkeit stören und die Demonstration hindern. Jede Furcht unsererseits, veranlasst durch die Tatsache, dass das göttliche Gemüt von unserer Notlage nichts weiß, oder durch die Ansicht, dass die unendliche Weisheit der nötigen Intelligenz ermangele, Rettung zu bewirken, sollte unverzüglich aus dem Denken vertrieben werden. Auf Seite 62 in „Wissenschaft und Gesundheit“ lesen wir: „Das göttliche Gemüt, das die Knospe und Blüte bildet, wird für den menschlichen Körper sorgen, ebenso wie es die Lilien kleidet; kein Sterblicher aber mische sich in Gottes Regierung dadurch, dass er mit Gesetzen irrender, menschlicher Begriffe dazwischentritt.“ Wir machen gewöhnlich den Fehler, dass wir genau wissen wollen, wie Gott uns helfen wird, und wann wir die guten Ergebnisse erfahren werden; danach wollen wir unser Urteil darüber abgeben und entscheiden, ob wir bereit sind, unseren Fall Seinen Händen anzuvertrauen.

Laßt uns nun sehen, wo Gottes Berichtigungsgesetz wirkt. Gott bedarf keiner Berichtigung. Der einzige Ort, wo Berichtigung not tut, ist im menschlichen Bewußtsein; wenn sich aber das menschliche Bewußtsein nicht an das göttliche Gesetz wendet, nicht willens und bereit ist, seinen eigenen menschlichen Willen abzulegen und mit menschlichem Planen aufzuhören, menschlichen Stolz, Ehrgeiz und eitlen Sinn beiseitezusetzen, kann das Berichtigungsgesetz nicht wirken.

Wenn wir in unserer Hilflosigkeit zu dem Punkt kommen, wo wir einsehen, dass wir nichts aus uns selbst tun können, und dann Gott um Hilfe bitten, wenn wir willens sind, unsere eigenen Pläne, unsere eigenen Ansichten, unsere eigene Meinung von dem, was unter den Umständen getan werden sollte, aufzugeben, und uns vor den Folgen nicht fürchten – dann wird Gottes Gesetz von der ganzen Lage Besitz ergreifen und sie beherrschen. Wir können jedoch nicht erwarten, dass dieses Gesetz zu unseren Gunsten wirkt, wenn wir irgendwelche vorgefaßte Meinungen hegen, wie es wirken sollte. Wir müssen unsere eigene Ansicht von den Dingen vollständig aufgeben und sagen (Luk. 22:42): „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“ Wird dieser Schritt zuversichtlich und in dem vollen Vertrauen getan, dass Gott sich jeder Lage annehmen kann, dann kann keine Macht auf Erden die natürliche, angemessene und rechtmäßige Berichtigung aller unharmonischen Zustände verhindern.

Dieses Berichtigungsgesetz ist das allumfassende Gesetz der Liebe, das seine Segnungen allen ohne Unterschied zuteil werden lässt. Es nimmt nicht einem und gibt dem anderen. Es hält sich nicht unter gewissen Umständen zurück, sondern ist bereit und wartet darauf, zu wirken, sobald es willkommen geheißen und der menschliche Wille beiseitegesetzt wird. „Alles, was den menschlichen Gedanken auf gleicher Linie mit selbstloser Liebe erhält“, sagt unsere Führerin, „empfängt unmittelbar die göttliche Kraft“ (Wissenschaft und Gesundheit, S. 192). Wenn wir den Punkt erreichen, wo wir alles zuversichtlich und vertrauensvoll der Regelung des Berichtigungsgesetzes Gottes überlassen können, befreit es uns sogleich von allem Gefühl persönlicher Verantwortung, nimmt Sorge und Furcht hinweg und bringt Frieden, Erquickung und die Gewissheit der schützenden Fürsorge Gottes.

Ein höchst befriedigendes und wohltuendes Gefühl des Friedens und der Freude zeigt sich stets, wenn wir bereit sind, es Gott zu überlassen, jede Situation für uns durch Sein Berichtigungsgesetz zu beherrschen. Wenn wir verstehen, dass das unendliche Gemüt das Weltall regiert, dass jede Idee Gottes immerdar an ihrem rechten Platz ist, dass kein Zustand oder Umstand eintreten kann, durch den sich in Gottes Plan ein Fehler einschleichen kann, dann haben wir die vollständige Gewißheit, dass Gott alles so regeln kann, wie es sein sollte. Tatsache ist, dass alle Dinge schon an ihrem rechten Platz sind, dass in Wirklichkeit keine Störung oder Unordnung eintreten kann. Nur für den unerleuchteten menschlichen Sinn kann es so etwas wie Disharmonie geben. Gottes Weltall ist stets in vollkommener Ordnung, und alle Seine Ideen arbeiten immerdar in vollkommener Harmonie zusammen.

Wenn wir willens sind, unsere ängstliche und ungewisse Auffassung von den Dingen aufzugeben und das göttliche Gemüt regieren zu lassen, dann und nur dann werden wir sehen, dass „denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen“ (Röm. 8:28). Die Disharmonie, die zu herrschen scheint, ist nur eine Annahme des sterblichen Gemüts, sei es Krankheit, Unbehagen, Ärger oder sonst irgendein Mißgeschick. Wenn wir bereit sind, unsere jetzigen Ansichten aufzugeben, selbst wenn wir glauben, wir seien im Recht und ein anderer im Unrecht, werden wir keinen Nachteil davon haben, dass wir unsere menschlichen Meinungen ablegen, sondern vielmehr finden, dass das Gesetz Gottes bereit und am Werke ist, alles, was nicht in Ordnung ist, zu berichtigen. Es mag manchmal schwer scheinen, uns nicht zu widersetzen, wenn wir das Gefühl haben, wir würden unterdrückt oder ausgenutzt; wenn aber unser Glaube an die Macht der Wahrheit, alles zu berichtigen, stark genug ist, sollten wir die Gelegenheit, unsere Ansprüche aufzugeben, willkommen heißen und unser Vertrauen auf die unendliche Weisheit setzen, die alles nach ihrem unfehlbaren Gesetz regeln wird. Im göttlichen Gemüt gibt es kein Versagen. Gott wird nie besiegt, und wer sich auf Seine Seite stellt, wird immer die Segnungen eines Sieges über den Irrtum empfangen.

Was sollen wir denn tun, wenn wir uns in einen Streit, in einen Wortwechsel oder in irgendeine unangenehmen Lage verwickelt sehen? Was sollen wir tun, wenn wir angegriffen und verleumdet, falsch dargestellt oder geschmäht worden sind? Sollen wir Gleiches mit Gleichem vergelten? Das würde nicht bedeuten, Gottes Berichtigungsgesetz anzurufen. Solange wir selbst die Schwierigkeiten zu beheben suchen, wirken wir störend auf die Tätigkeit des Gesetzes Gottes ein. In keinem dieser Fälle gewinnen wir etwas, wenn wir zurückschlagen. Wir zeigen nur unsere menschliche Schwachheit, wenn wir die Sache selbst in die Hand nehmen und versuchen, entweder unsere Feinde zu strafen oder uns durch eigene Kraft zu befreien.

Wenn ein Problem im Geschäft oder in irgendeinem der verschiedenen Lebensbereiche anscheinend auf zwei Arten ausgearbeitet werden kann und wir uns für die Art entscheiden, die die beste zu sein scheint, wie können wir wissen, wenn so viele Einwendungen gegen sie sprechen, ob die Entscheidung auf Wahrheit oder auf Irrtum gegründet ist? Dies ist eine Frage, die nur durch die Demonstration von Gottes Berichtigungsgesetz entschieden werden kann. Es gibt Zeiten, wo menschliche Weisheit uns nicht sagen kann, was wir tun sollen. Unter solchen Umständen sollten wir demütig um göttliche Führung bitten und uns dann für das entscheiden, was mit unserem höchsten Begriff vom Rechten übereinzustimmen scheint, in dem Wissen, dass Gottes Berichtigungsgesetz alles regelt und regiert. Und selbst wenn wir den falschen Weg wählen, haben wir als Christliche Wissenschafter das Recht zu wissen, dass Gott uns nicht in einem Fehler verharren lassen, sondern uns den rechten Weg zeigen und uns zwingen wird, ihn zu gehen.

Wenn wir den Punkt erreicht haben, wo wir willens sind zu tun, was uns das beste zu sein scheint, und dann das Problem Gott überlassen und daran festhalten, dass Er alles nach Seinem unwandelbaren Gesetz berichtigen wird, dann können wir uns ganz von der Angelegenheit zurückziehen, jedes Verantwortungsgefühl ablegen und uns sicher fühlen in der Erkenntnis, dass Gott alles berichtigt und gerecht regiert. Wir haben nie etwas anderes zu tun als was Gott wohlgefällig ist, was den göttlichen Forderungen entspricht. Wenn das Gute, das wir tun, verlästert wird, berührt dies nicht im geringsten die Lage, da Gott uns nicht für die Handlungen anderer verantwortlich macht. Unsere Verantwortung hört auf, wenn wir den Forderungen des Guten nachgekommen sind, und an diesem Punkt können wir jede Frage auf sich beruhen lassen. Es bleibt sich gleich, wie viel auf dem Spiele steht oder worum es sich handelt; wenn es uns gelingt, uns selbst aus dem Weg zu räumen, dann können wir uns mit den Worten des Propheten zufriedengeben (2. Chron. 20:15–17): „Nicht ihr kämpft, sondern Gott… Tretet nur hin und steht und seht die Hilfe des Herrn.“

Wir können nicht erwarten, uns aus dieser menschlichen Daseinsauffassung herauszuarbeiten, ohne Fehler zu machen. Wir mögen viele machen, aber wir werden aus allen Nutzen ziehen. Wir dürfen unsere Anschauungen ändern, sooft wir neues Licht gewinnen. Wir sollten uns nicht durch unsere Eitelkeit zwingen lassen, einfach deshalb an etwas festzuhalten, weil wir uns dafür eingesetzt haben. Wir sollten willens sein, unsere früheren Ansichten aufzugeben und unser Denken über etwas zu ändern, sooft Weisheit uns Erleuchtung bringt.

Es wird den Christlichen Wissenschaftern manchmal vorgeworfen, dass sie veränderlich seien. Was schadet es aber, wenn es immer Gott ist, der sie ändert? Ist ein Christlicher Wissenschafter weniger ein Wissenschafter, weil er seine Ansicht ändert? Ist ein General weniger geeignet, sein Heer zu führen, weil er in der Hitze des Gefechts unter der Führung der Weisheit seine Taktik ändert? Eine allzu feste Entschlossenheit, einen vorgefaßten Plan auszuführen, erhebt gar zu leicht den irrenden menschlichen Willen auf den Thron.

Die Christlichen Wissenschafter sind stets dienstbereit, bewaffnet und ausgerüstet, jedem Ruf der Weisheit zu folgen, immer bereit und willens, persönliche Anschauungen oder Meinungen aufzugeben und gesinnt zu sein, „wie Jesus Christus auch war“ (Phil. 2:5)